Interventionelle Therapie der Koronargefäße

Damit das Herz seine Pumpfunktion (ca. 300 Liter/Stunde in Ruhe) erfüllen kann, ist es auf eine gute Energie und Sauerstoffversorgung angewiesen. Über die Herzkranzarterien (Koronarien), die der großen Körperschlagader entspringen, wird der Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Durch die im Laufe eines Lebens zunehmende Alterung und Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose) und die Ausbildung von Plaques an den vorgeschädigten Gefäßwänden, entstehen Verengungen (Stenosen). Diese Engstellen beeinträchtigen die Durchblutung des Herzmuskels und führen zu einem Sauerstoffmangel des Herzens, der wiederum Symptome der Brustenge (Angina pectoris) bis hin zum akuten Herzinfarkt verursachen kann.

Das Verfahren Engstellen der Herzkranzgefäße zu beseitigen wird als Ballondilatation oder auch "Perkutane Transluminale Coronare Angioplastie", kurz PTCA bezeichnet. Das den Blutfluss störende Material (Plaquebestandteile, Cholesterin, Kalk) lässt sich durch die Technik der Ballondilatation aufdehnen und komprimieren. Dabei kann es neben einer Erweiterung des Gefäßlumens auch zu Verletzungen der Gefäßwand kommen (Dissektion) oder die verbleibende Verengung ist noch zu groß. Alleinige Ballondilatationen machen aktuell nur noch 15-20% aller Interventionen an den Herzkranzgefäßen aus.

Wenn die Ballondilatation alleine keinen ausreichenden und anhaltenden Erfolg verspricht, wird ein so genannter Stent, eine Gefäßstütze aus feinem Edelstahlgeflecht, in die Verengung des Herzkranzgefäßes eingesetzt. Der Stent fixiert Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen, glättet die Oberfläche des Gefäßinnenraums und verhindert gefährliche Einrisse (Dissektionen) der Gefäßinnenwand. Dies führt zu einer Verbesserung des Blutflusses und verhindert einen erneuten Verschluss des aufgedehnten Herzkranzgefäßes.

In der Regel wird der Stent mit Hilfe eines Ballonkatheters eingebracht. Die nicht entfaltete Gefäßstütze wird in die Verengung des Herzkranzgefäßes geführt. Die richtige Position des Stent wird dann mit Hilfe eines Röntgenkontrastmittels kontrolliert. Danach wird der Stent durch Inflation des Ballons unter hohem Druck (10-18 Atmosphären) entfaltet und in der Gefäßinnenwand verankert. Der Ballon wird wieder entfernt.

Um nach einer Ballondilatation mit Stentimplantation das Auftreten eines Blutgerinnsels (Thrombus) im behandelten Herzkranzgefäß zu verhindern, muss der Patient bestimmte blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Typischerweise ist dies eine Kombination der so genannten Thrombozytenaggregationshemmer ASS und Clopidogrel. Die Dauer der Einnahme dieser Medikamentenkombination ist abhängig vom Schweregrad der Erkrankung und dem verwendeten Stent. Beim Einsatz von medikamentenbeschichteten Stents muss ASS und Clopidogrel für 1 Jahr oder länger eingenommen werde. ASS wird bei koronarer Herzerkrankung lebenslang eingenommen, um einen ausreichenden Schutz vor Blutgerinnselbildung zu gewährleisten.

Wenn der Herzmuskel vor der Ballondilatation/ Stentimplantation nicht bereits durch einen Herzinfarkt geschädigt war, ist nach dem erfolgreichen Eingriff die körperliche Leistungsfähigkeit wieder voll hergestellt. Die Lebenserwartung nach der Ballondilatation/Stentimplantation entspricht dann der von gesunden Menschen. Die Patienten können sich im Alltag wieder ohne Herzschmerzen belasten und ihrem gewohnten Leben nachgehen.

Kölner Infarkt Modell (KIM)

Ein Schwerpunkt der interventionellen Kardiologie ist die Notfallversorgung von Patienten, bei denen ein akuter Herzinfarkt abläuft und die deshalb von akutem Herzversagen bedroht sind. In enger Kooperation mit den Rettungskräften der Stadt Köln werden diese Hochrisiko-Patienten im Rahmen des Kölner Infarkt Modells (KIM) bei eindeutigen EKG-Veränderungen und typischer Beschwerdesymptomatik direkt in das nächstgelegene Interventionszentrum verbracht. Bereits auf dem Transport in die Interventionsklinik wird das Herzkatheterteam aktiviert und das Herzkatheterlabor für die Übernahme des Infarktpatienten vorbereitet. Durch die anschließende sofortige Rekanalisation des verschlossenen Infarktgefäßes durch Ballondilatation/Stentimplantation kann die Überlebenschance der betroffenen Patienten deutlich verbessert werden.