Herzrhythmusstörungen

Welche Formen von Herzrhythmusstörungen gibt es?

Wie bereits erwähnt unterscheidet man zwischen zu langsamen- und zu schnellen Herzrhythmusstörungen (HRST). Diese können sowohl gutartiger- oder auch bösartiger Natur sein, mit potentiell lebensbedrohlichen Folgen. In erster Linie gilt es das individuelle Risiko für jeden unserer Patienten im Detail zu analysieren und hieraus die schonendste und effektivste Therapie abzuleiten.
Die häufigsten HRST sind gutartiger Natur, wie z.B. das in der klinischen Praxis am meisten anzutreffende Vorhofflimmern (VHF).
Wir wissen bereits jetzt schon, dass in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer mehr Menschen unter HRST leiden werden. Insbesondere nimmt die Häufigkeit des VHF zu, dessen Anzahl Europaweit in den nächsten 10 Jahren (2030) auf 14-17 Million Menschen geschätzt wird. VHF ist wie bereits erwähnt zwar nicht akut lebensbedrohlich, kann aber die Lebensqualität des Einzelnen erheblich mindern.

Vorhofflimmern (VHF)

Die Häufigkeit von VHF steigt mit zunehmendem Lebensalter an. Wiederrum steigt mit der Dauer des VHF das Risiko an, ein Schlaganfall zu erleiden (Risiko 6-fach erhöht). Darüberhinaus kann VHF zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität durch Abnahme der Herzleistung führen (Risiko 3-fach erhöht). Die Symptome ragen von belastungsabhängiger Luftnot, Herzrasen, Herzstolpern, Schwindelsymptomatik, bis hin zu einer Brustenge. Die Behandlung von VHF stellt somit für uns Ärzte weiterhin eine große Herausforderung dar.

Die Katheterablation stellt Heute, neben der medikamentösen Therapie, für viele Patienten eine Chance dar, diese Herzrhythmusstörung längerfristig einzudämmen und das Voranschreiten zu verhindern. Wir beraten Sie gerne persönlich, ob Sie von dieser Behandlungsform profitieren und welche Alternativen möglich wären.

Vorhofflattern

Vorhofflattern führt in den meisten Fällen zu einem schnellen Herzschlag bzw. Puls, welches unbehandelt nicht nur das Schlaganfallrisiko steigert, sondern auch das Risiko einer Herzschwäche deutlich erhöht. Häufig ist die Luftnot, sei es unter Belastung oder bereits schon in Ruhe das erste Symptom, welches von Patienten geschildert wird. Die Ablationstherapie des Vorhofflatterns findet im rechten Vorhof statt. Mit Hilfe eines Ablationskatheters, welches über die große Vene in der Leistenbeuge eingeführt wird, kann im rechten Vorhof genau die Stelle verödet werden, welche für die Aufrechterhaltung des Vorhofflatterns verantwortlich ist. Mit dieser Methode kann Vorhofflattern kurativ und somit dauerhaft werden.

Patient mit typischem Vorhofflattern. Es sind 3 Katheter im Herzen platziert. Ein sog. CS Katheter (10-polig), der sich in der sinus coronarius Vene befindet, und entlang der Mitralklappe verläuft (intrakardiale Signale in grün dargestellt). Ein sog. Halo-Katheter (20-polig), der im rechten Vorhof um die Trikuspidalklappe positioniert ist (intrakardiale Signale gelb dargestellt). Das Vorhofflattern führt zu einer rhythmischen Erregung der Hauptkammern, mit hohen Herzfrequenzen.
Patient mit typischem Vorhofflattern. CS Katheter (10-polig) (intrakardiale Signale in grün dargestellt).Der Ablationskatheter ist 4 polig (intrakardiale Signale in weiss dargestellt). Unter fortlaufender Ablation terminiert das Vorhofflattern und die Herzrhythmusstörung ist kurativ therapiert.
3-Dimensionale, farblich kodierte Darstellung (sog. Landkarte) des rechten Vorhofs. Durch eine gezielte Katheterablation entlang des Cavo-Trikuspiden Isthmus im rechten Vorhof kann das Vorhofflattern dauerhaft beendet werden.

Re-Entrytachykardien

Re-Entrytachykardien auf Ebene der Vorhöfe oder des AV-Knotens gehören zu den gutartigen HRST. Durch nicht abschließend geklärte Ursachen können im Herzen sog. kreisende Erregungen entstehen, welche sowohl die Vorhöfe als auch die Hauptkammern sehr schnell erregen können. Wie bereits erwähnt, werden diese Arten von Herzrhythmusstörungen zu den gutartigen gezählt. Da jedoch oft Symptome anhalten, welche die Lebensqualität einschränken können, empfehlen wir in der Regel eine Katheterablation.

Wir sehen im Bild sowohl ein oberflächen Elektrokardiogramm (weiße Kurven), als auch Elektrokardiogramme aus dem Herzen des Patienten (grüne, blaue und rote Signale), welche mittels mehrerer Katheter im Herzen abgeleitet wurden. In diesem Fall zeigt sich eine sog. AV-Knoten Re-Entry Tachykardie (AVNRT). Dies ist für viele Patienten sehr unangenehmen und beeinträchtigend. Eine AVNRT lässt sich durch eine vorsichtige Katheterablation dauerhaft behandeln.

WPW-Syndrom

Herzrasen bei Vorliegen einer zusätzlichen, sog. akzessorischen Leitungsbahn. Das WPW- Syndrom gehört zu den sogenannten Prä-Exzitationssyndromen. Bei dieser angeborenen Störung kommt es durch die zusätzlich angelegte Leitungsbahn zu kreisenden Erregungen, wodurch Herzfrequenzen zwischen 160 und 240 Schlägen pro Minute zustande kommen können.

Typisch ist – wie bei der AVNRT – ein anfallartig auftretendes Herzrasen. Ein plötzlicher Beginn und ein abruptes Ende sind typisch (on-off Phänomen). Die zusätzliche Leitungsbahn kann mittels Katheter-Ablation mit hoher Erfolgsrate verödet werden.

Kammertachykardien

Diese Form von HRST haben ihren Usprung in den Hauptkammern. In den meisten Fällen bedingt durch Herzmuskelgewebe, welches durch einen Herzinfarkt geschädigt wurde. Auch sog. idiopathische Kammertachykardien sind nicht selten, wie sie z.B. aus dem Ausflusstrakt des rechten Herzen auftreten können. Da diese HRST einen erheblichen Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem haben können, welche bis hin zum plötzlichen Herztod führen kann, sprechen wir häufig von bösartigen HRST. Implantierbarer Defibrillatoren behandeln effektiv derartige lebensbedrohliche Kammerrhythmusstörungen und retten hierdurch nachweislich das Leben vieler Patienten. Treten diese Herzrhythmusstörungen allerdings häufiger auf und sind durch Medikamente nicht hinreichend unterdrückbar, geht von den Elektroschocks eine schwere Belastung für den Patienten aus. Die Lebensqualität, sowie auch die Lebenserwartung sind deutlich eingeschränkt. Eine Katheterablation kann in solchen Fällen helfen, die Zahl der Schockabgaben deutlich zu reduzieren, und hierdurch die Lebensqualität sowie auch die Prognose des Patienten zu verbessern.